von Franz Schneider
Unter dem Motto „lerne eine*n Grüne*n kennen“ sowie anders herum, vereinbarte der OV Finsterwalde am 10. Mai dieses Jahrs eine Besichtigung des konventionellen Agrarbetriebes „Agrargenossenschaft Sonnewalde eG“.
Etwas aufgeregt aber mit freudiger Erwartung wurden wir, sowie die angereisten Mitglieder aus dem KV Elbe-Elster (Thorsten Altmann mit Sohn, Valentine Simon) herzlich vom Vorstand der AG Sonnewalde in Empfang genommen. Bei Kuchen und Kaffee wurde der Betrieb von dem Vorstandsvorsitzenden Thomas Jülke einleitend vorgestellt. Neben den Anwesenden Gundula Frank (Leiterin Tierproduktion) Henry Schoppe (Leiter Pflanzenproduktion) und Julia Wittich (stv. Leiterin Milchproduktion) arbeiten in Zeckerin rund 37 Beschäftigte und aktuell 4 Auszubildende.
Herr Jülke gab eine grobe Übersicht über die Betriebs- und Personalstruktur der AG Sonnewalde. Beachtlich ist hierbei die genannte jährliche Abschreibungssumme von über 600 TEUR pro Jahr, welche schnell Aufschluss darüber gibt, welchen Kapital- als auch Maschineneinsatz moderne Landwirtschaftsbetriebe heutzutage einbringen.
Nach den ökonomischen Zahlen von Herrn Jülke, durfte der Leiter der Pflanzenproduktion, Herr Schoppe einige Eckdaten aus pflanzenbaulicher Sicht vorstellen. Auf rund 2.300 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche, davon 530 ha Grünland werden jährlich „1.000 t Raps, 7.000 t Getreide und andere Mähdruschfrüchte sowie das Futter für die Tierbestände“ nachhaltig produziert (1) . Angesichts der weltweit angespannten Getreideversorgung durch den Ukraine Konflikt und der Eskalation am Energiemarkt stehen diese Flächen ganz besonders im Blickpunkt. Der Betrieb deckt durch den eigenen Feldbau den Futterbedarf für die 1200 Rinder und 400 Schafe abgesehen von einigen Kraftfutterkomponenten und Mineralfuttermitteln fast vollends selbst ab. Dies entspricht dem Vorgehen der meisten landwirtschaftlichen Betrieben in Brandenburg, jedoch nicht ausnahmslos. Weiterhin verwies Henry Schoppe auf die Notwendigkeit eines nachhaltigen Einsatzes von Dünge – und Pflanzenschutzmitteln auf den von ihnen bewirtschafteten Flächen. Diese konnte man insbesondere an einem Randstreifen eines naheliegenden Getreidefeldes beobachten. Es war klar ersichtlich wo der Randschutzstreifen verlief und welchen Einfluss dies auf die Ernteerträge hat. In diesem Kontext wurde ein vermeintliches Hauptproblem der konventionellen Landwirtschaft dargestellt – der Insekten- und Artenschutz. Noch im Felde, erörterte Erwin Bimüller mit Herrn Schoppe die Thematik rund um den Pflanzenschutzmitteleinsatz und dessen Wirkung auf die Insektenvielfalt- und Vorkommen, unter anderem auch auf die Nutztiere in der freien Wildbahn. Im Falle der Honigbiene, so Julia Wittich (Hobby-Imkerin), sie selbst hat ihre eigenen Bienenvölker neben den heimischen Rapsfeldern aufgestellt und schaffe damit eine positive Symbiose zwischen Landwirtschaft und Umwelt.
Und bei Julia Wittich geht es nicht nur um Honig, sondern auch um die gewonnene Milch der rund 450 Milchkühen der AG Sonnewalde. So werden rund 13.500 Liter Milch täglich zur weiteren Verarbeitung an die ODW Frischprodukte GmbH in Elsterwerda geliefert. Dabei ist laut Gundula Frank der regionale Bezug ein wichtiges Merkmal für Transparenz und Nachhaltigkeit der AG Sonnewalde. So ziert ihr Konterfei die Verpackung der „Mark Brandenburg Milch“, stellvertretend für viele weitere Milcherzeuger/Landwirte aus der Region (2).
Im dem modernen Milchviehstall gibt es neben den geräumigen Laufställen auch ein Melkkarussell mit Platz für 40 Tiere. Hier wird zweimal täglich die Milch für die Molkerei in Elsterwerda gemolken. Neben einem Roboter, der den Kühen das Futter ran schiebt, wird auch sonst viel Aufwand für das Wohlergehen der Tiere geleistet, so Julia Wittich.
Abschließend konnten wir uns nach dem Rundgang auf der Milchviehanlage mit einigen Themenkomplexen näher befassen, obgleich das Zeitfenster hierfür viel zu kurz war. Unter anderem wurde auf den Herdenschutz vor dem Wolf eingegangen und von Herrn Schoppe am Beispiel der Milchviehanlage aufgezeigt. Auch über die Dialogkultur und ein gegenseitiges Miteinander zwischen Gesellschaft<>Landwirtschaft<>Politik wurde diskutiert. Hier wird schnell klar, dass die AG Sonnewalde bereits mit Vorbildfunktion vorangeht und die Dialogbereitschaft zeigt. So konnte sich schon Axel Vogel mehrmals von dem Betrieb anlässlich einer Einladung des Deutschen Genossenschaftsverbandes oder an einem seiner Arbeitsbesuche überzeugen (3),(4).
Weiterhin wurde von Frau Gundula Frank ein Hinweis gegeben, dass auf politischer Ebene viele Lösungswege, Ansätze und Ideen bereits von der „Borchert-Kommission“ zum Umbau der Nutztierhaltung in Deutschland vorgeschlagen wurden. Die Vorschläge des Kompetenznetzwerkes, bestehend aus Fachleuten der Politik, Wissenschaft, Praxis, Wirtschaft und Verbänden (5) wurden bereits 2020 an das damalige Agrarministerium weitergeleitet. Geht es nach Gundula Frank mahlen diesen Mühlen noch zu langsam und/oder finden nicht das Gehör des Grünen Landwirtschaftsministers Cem Özdemir.
Wir bedanken uns recht herzlich für diesen aufschlussreichen und sehr angenehmen Nachmittag. Wir wünschen dem ganzen Team aus Zeckerin weiterhin gute Erträge, gesunde Tiere und vor allem beste Gesundheit.
1 Auszug aus der Internetplattform der AG Sonnewalde, abgerufen am 09.08.2022: https://www.agrar-sonnewalde.de/pflanzenproduktion/
2 Siehe: https://www.mark-brandenburg.de/?milch
3 Siehe: https://www.lr-online.de/lausitz/finsterwalde/sonnewalder-bauern-trotzen-extremen-situationen-wie-der-kaelte-35762264.html
4 Siehe: https://gruene-fraktion-brandenburg.de/themen/enquete-aufarbeitung/axel-vogel-zu-gast-bei-agrargenossenschaft-sonnewalde-eg-ausverkauf-ostdeutscher-agrarflaechen-verhindern/
5 Siehe: https://www.bmel.de/DE/themen/tiere/nutztiere/umbau-nutztierhaltung.html